Heiko Müller
Kompetenz und Leidenschaft

Lebenslauf und Erinnerungen


„Hätte ich die Wahl zwischen dem Amt des Bürgermeisters in Falkensee und irgendeiner anderen Tätigkeit, so fiele es mir nicht schwer zu wählen. Ich bin gern Bürgermeister dieser Stadt - und ich möchte es bleiben!"

Geburt

Aufgewachsen bin ich in Falkensee. Die ersten Tage habe ich allerdings in Berlin verbracht. Meine Eltern hatten sich das Waldkrankenhaus in Spandau für meine Geburt am 24. Januar 1959 ausgesucht. Drei Jahre später wäre das wegen der Mauer nicht mehr möglich gewesen. Deswegen war ich immer Stolz auf meinen Geburtsort Berlin-Spandau - zu DDR-Zeiten im Ausweis eine Rarität.

Mauer

Ein Tag im Polizeigewahrsam. Hört sich nicht gut an und ist es auch nicht. Schon gar nicht, wenn man erst zwei Jahre alt ist. Da hilft auch nicht sonderlich, dass Mutter, Vater und Bruder auch festgenommen wurden. Festgenommen in einer S-Bahn. Erst eingesperrt über Stunden in einem Warteraum auf einem Bahnhof und abends zur Polizeistation „verbracht". Morgens entlassen - und die Welt hat sich verändert.

Es ist der Morgen des 13. August 1961. Da wo am Vortag noch S-Bahnen fuhren, werden Sperren errichtet. Die Oma in Spandau, der Arbeitsplatz des Vaters, der Chor der Eltern - alles und noch viel mehr ist plötzlich unerreichbar geworden. Am 11. August waren wir noch ohne Probleme zur Oma nach Spandau gefahren. Am 12. August wurden Familien aus den S-Bahnen heraus in Polizeigewahrsam genommen, um eine Flucht „in den Westen" zu verhindern. Wie ich viel später erfuhr, hatten sich meine Eltern nach monatelangem Grübeln an diesem Tage wirklich entschieden, im „Westen" zu bleiben. Einen Tag zu spät. Hätten sie sich einen Tag früher entschieden, wäre ich in Westberlin aufgewachsen - so wurde es die Deutsche Demokratische Republik.

Trennung

Meine Kindheit und Jugend war geprägt von der Trennung der Familie. Die Eltern meines Vaters wohnten zwar in Falkensee, die andere Oma wohnte aber im „Westen". Der andere Opa war im Krieg gefallen. Während die Schwester meines Vaters in Falkensee wohnte, waren die Geschwister meiner Mutter ebenfalls hinter der „Mauer". Alle Cousins und Cousinen wohnten in Westberlin und Westdeutschland.

Als kleines Kind wurde mir immer erzählt, auch meine „Westoma" würde nun in Westdeutschland wohnen, obwohl sie eigentlich weiter nur ein paar Kilometer entfernt in Spandau wohnte. Das hing mit den Einreisebestimmungen zusammen, die damals Besuche in der DDR nur für Westdeutsche zuließen, nicht aber für Westberliner.

Auch andere Geheimnisse haben uns begleitet. Ob verbotene Treffen auf den Transitstrecken oder verbotene Geschenke - alles waren Dinge, über die wir schon als Kind nicht sprechen durften - schon gar nicht in der Schule.



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© Heiko Müller